Let them fart
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Lasst sie gasen!

Neulich recherchierte ich über den ökologischen Fußabdruck verschiedener Naturfasern, die in der Bekleidungsindustrie verwendet werden. Ich stieß dabei auf einen Artikel, in dem die Auswirkungen auf den Klimawandel erwähnt wurden, die durch die bei der Verdauung von grasfressenden Tieren wie Schafen und anderen Wiederkäuern freigesetzten Gase entstehen. Darin wurde angedeutet, dass Wolle aus diesem Grund aus ökologischer Sicht nicht so toll sei, wie man gemeinhin dachte.

Um ehrlich zu sein, dachte ich zunächst, dass es sich dabei um das weit hergeholte Werk eines sarkastischen und einfallsreichen Lobbyisten der Kunststoffindustrie handelte! Wahrscheinlich wollte er die Öffentlichkeit verwirren, indem er einen stinkenden Rauchschleier über ihre eigenen schmutzigen Geschäfte mit der Umweltbelastung blies. Diese gut dokumentierte Technik stammte ursprünglich von der Tabakindustrie und hat sich seither in Umweltfragen bewährt. Da mein Interesse dennoch geweckt war, habe ich den Artikel zu Ende gelesen und mich weiter mit dem Thema befasst.

Methan

Der Englische Fachbegriff für dieses Blähungsproblem lautet "Enteric Fermentation". Es handelt sich um die Gase, die während des Verdauungsprozesses von Wiederkäuern entstehen. Zwar produzieren auch Nichtwiederkäuer bei der Verdauung solche Gase, doch ist diese Menge vernachlässigbar.

Die unbestrittene wissenschaftliche Tatsache, von der in diesem Artikel die Rede war, ist, dass Methan - die chemische Natur des Gases - 25 Mal klimaschädlicher ist als CO2. Da war in der Tat etwas dran, und ich musste der Sache auf den Grund gehen, wenn ich das sagen darf.

Kohlendioxid-Äquivalent

Ich fand heraus, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft zur Vereinfachung des Vergleichs zwischen verschiedenen Treibhausgasen Formeln verwendet, um sie in CO2-Äquivalenten oder "CO2e" auszudrücken. Kohlendioxid ist bei weitem das wichtigste und häufigste Gas, das für die globale Erwärmung verantwortlich ist. In unserem Fall müssen wir 1 Tonne Methanemissionen in 25 Tonnen CO2e umrechnen.

Die Zahlen, die uns vorliegen, wurden von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und insbesondere von ihrem Global Livestock Environmental Assessment Model (GLEAM) zusammengestellt. Das letzte vollständige Datenblatt stammt aus dem Jahr 2014 [1].

Aus diesen Zahlen geht hervor, dass sich die weltweiten CO2e-Emissionen in diesem Jahr auf 49,44 Milliarden Tonnen beliefen. Davon entfielen 11 %, also 5,68 Milliarden Tonnen CO2e, auf die Landwirtschaft.

Wiederkäuer, kleine und große

Diese Zahl ist in verschiedene Kategorien unterteilt. Die enterische Gärung die wir betrachten beträgt rund 40 %. Das Vieh, das innerhalb dieser 40 % für die meisten Emissionen verantwortlich ist, ist mit 62 % bei weitem das Rind, während wir den Rest auf Schweine, Hühner und die uns interessierende Kategorie der kleinen Wiederkäuer aufteilen können. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Schafe und Ziegen, die ungefähr gleich viele Tiere bilden und 7 % der Emissionen ausmachen.

Die Berechnung des spezifischen Beitrags der enterischen Gasemissionen von Schafen ist daher eine einfache mathematische Rechnung: 7% von 40% von 11%, dann durch 2 dividieren, um die Ziegen zu berücksichtigen. Das Ergebnis ist 0,154 %. Mit anderen Worten: Die Treibhausgasemissionen, die auf das von Schafen freigesetzte Methan zurückzuführen sind, machen nur 0,15 % des gesamten weltweit produzierten CO2e aus.

Natürlich wissen wir alle, dass kleine Ströme große Flüsse bilden, und wir sollten alle möglichen Schritte zur Verlangsamung der globalen Erderwärmung in Betracht ziehen. Diese geringe Zahl hilft jedoch, die Dinge zu relativieren.

Minderungspotenzial

Die FAO hat auch das Potenzial für Minderungen erkannt. Reduzierungen könnten erreicht werden, idealerweise natürlich durch eine Verringerung der Produktion und des Verbrauchs, aber auch durch eine Senkung der Emissionsintensität der Produktion. Es besteht ein grosser Unterschied in der Emissionsintensität, die es innerhalb der Produktionssysteme und agroökologischen Regionen gibt. Die neuseeländischen Schaffarmen aus denen wir unsere Wolle kaufen liegen bereits im unteren Emissionsspektrum, und hoffentlich werden sie diese bewährten Verfahren nicht nur beibehalten, sondern sogar noch verbessern.

Lasst sie furzen!

In der Zwischenzeit bin ich geneigt, mich ein wenig zu entspannen, und das Thema gelassen anzugehen. Mit Blick auf diese 0,15 % möchte ich einfach sagen: Lasst die Schafe furzen, es riecht ja nicht einmal !

 

[1] http://www.fao.org/gleam/results/en/


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